1.6.2011
Bin gut in Delhi gelandet.
2.6.2011
Jetzt haben wir schon gegessen und unser erstes Konzert gegeben. Wir waren heute 17 Stunden im sauheißen wackeligen Bus eingezwängt. Das war sicher die beschwerlichste Anreise, die ich jemals zu einem Gig hatte. Da waren dann 60-70 Jugendliche, die uns immer wieder Szenenapplaus gegeben haben, die waren voll begeistert und süß!
4.6.2011
Du wirst es nicht glauben, aber ich habe dem Dalai Lama die Hand geschüttelt – obwohl Tausende darauf gehofft haben. Wir mussten dafür um Vier aufstehen uns wieder in den Bus zwängen und Stunden in der prallen Sonne warten, aber das alles war nicht einmal anstrengend. Seine Heiligkeit hat dort im „Hermann Gmeiner SOS Dorf“ die tibetischen Flüchtlinge vier Stunden unterrichtet und ist auf alle Fragen der Studenten eingegangen. Wir durften dort nur beim Eingang lauschen. Dafür wurden wir hinterher göttlich gesegnet.
Wir waren in Dharamsala essen mit Lobsang, das ist die Chefsekretärin vom TCV, dem Tibetan Children´s Village.
Sie erzählt uns von den Greueltaten der Chinesen.
Wir sind erschüttert und können es nicht glauben dass es sowas im 21. Jahrhundert noch gibt.
Bis 2008 kamen ca.800 kinder pro Jahr über 6000 meter hohen Päße von Tibet über Nepal nach Indien.
Seit den Aufständen wird noch viel mehr kontrolliert und die Kinder werden wie Schießbudenfiguren in den Bergen abgeknallt. Es sind nurmehr 300 pro Jahr die den Weg zum Dalai Lama nach Indien schaffen.
Back im Hotel sitzen wir noch sehr chillig auf der Terasse und da man nicht die ganze Zeit über diese Horrorstories reden kann sind Telefontarife gerade zur Diskussion, dabei betrachten wir die Sternenkulisse , dann schwenken wir zu Astronomie – es wird freudig diskutiert. Good night from India, ich hab jetzt meine „gesegnete Ruhe“.
5.6.2011
Ich bin gerade bei der Miss Tibet Wahl und wir freuen uns schon auf die Schönheiten, die aus der ganzen Welt zu diesem Event angereist sind.
6.6.2011
Wir hatten gestern einen Tag zur freien Verfügung in Dharamsala. Waren ein bisschen shoppen, aber das Überangebot ist grenzenlos und ich weiß dann gar nicht mehr, was super ist, weil alles super ist und wir eh nicht viel mitnehmen können.
Später waren wir bei einem Wasserfall etwas oberhalb der Stadt im saukalten Wasser erfrischen.
Wir hoffen, Didi kommt heute, es gab Probleme mit seiner Maschine und er musste eine spätere über Istanbul nehmen. Er sollte eigentlich schon im Taxi auf einer 7stündigen Fahrt sein, aber wir haben noch nix von ihm gehört. Unser zweites Konzert ist heute um Vier. Ich glaub, im Altersheim – das wird sehr spannend. Hab mir schon eine tibetische Begrüßung einstudiert und ordentlich daran gekiefelt.
So jetzt sitz ich da in der Hitz auf der Terasse beim Frühstück und werde ein bissl Gitarre spielen.
Waren grade im TCV den ganzen Vormittag bei den ganz kleinen Waisenkindern, das war sehr berührend!
„One Minute“ wird heute uraufgeführt im lokalen Radiosender. Noch ein Zusatzkonzert mit Eintritt für das Kinderdorf auf der Bühne, wo gestern Miss Wahl war, wurde organisiert. Das wäre dann am 11.6.
Kurze Pause und dann Konzert im Altenheim. Wir hoffen noch immer auf Didi.
7.6.2011
Didi hat´s geschafft – genau rechtzeitig zum Konzert im Altersheim, das am Ende des Meditationsweges, der unterhalb der Stadt verläuft, liegt. Diesen pilgern täglich hunderte Tibeter, aber auch orange eingehüllte Mönche sitzen (vielleicht sogar wochenlang) im Yogasitz und murmeln ihre Gebete. Der ganze Wald, durch den dieser Weg führt, ist geschmückt mit tausenden Gebetsfahnen und bemalten Felsen – das sieht magisch aus. Das Altenheim selbst liegt unterhalb des Tempels, wo es riesige Gebetsmühlen gibt, und ist in einem – für unsere Verhältnisse – äußerst dürftigen Zustand. Wir steigen die Treppen hinunter und auf einer Wäscheleine zwischen Haus und “Garagen” hängt ein Leintuch, das, als wir es durchschreiten, schon die Bühne ist. Die ungefähr 50 Senioren sitzen bereits in 10 Metern Abstand zur Bühne und warten geduldig in der Schwüle und Sonne. Wir schnallen die Gitarren um, begrüßen einstimmig mit “Tashi delek!” und starten mit “Here Comes The Sun!” – dieser Song gibt uns Sicherheit. Wir wissen, dass sie vielleicht zum ersten Mal mit Popmusik konfrontiert sind. Umso mehr erstaunt sind wir, als sie perfekt im Rhythmus mitklatschen und das auf 2 und 4! Dagulda – unser Clown und Pantomime – überbrückt die Distanz mit seiner “Unsichtbarer Hund”-Nummer und die Stimmung ist schon sehr lustig. Der Auftritt dauert ungefähr eine Stunde, gegen Ende verlassen wir die Bühne. und spielen direkt vor ihnen, es ist noch intensiver und berührender. Als Zugabe gibt´s nochmal “One Minute” und die Leute sind begeistert, auch ein paar Kinder sitzen am Garagendach. Die Bewohner bauen die selbst gemachte Bühne eigenhändig ab und alle sind wir von diesem einzigartigen Konzert beglückt.
8.6.2011
Gestern Früh haben wir unsere noble Unterkunft in Dharamsala verlassen. Ein alter gelber Schulbus – wirklich sehr funky – hat uns nach Bir chauffiert, wo jetzt für die nächsten drei Tage unser Quartier sein wird. Dort gibt es eine große tibetische Gemeinde, Klöster und ein Kinderdorf mit 1500 Kindern. Gleich nach der Ankunft wurden wir bewirtet und das Buffet ist wirklich köstlich. Es gibt Reis und Variationen aus Gemüse, danach wird immer brennheißer Chai serviert.
Dann Inspektion der Halle und Soundcheck. Wir stellen bald fest, dass das länger dauern könnte. Die Technik ist nicht ganz auf der Höhe und es dauert einige Zeit, bis wir zwei Boxen finden, die noch funktionieren. Unverstärkt wie bei den ersten beiden Gigs wird´s wohl nicht gehen – es werden mindestens 500 Kinder erwartet. Die Schwüle macht es uns auch nicht leicht. Schließlich sind wir froh, dass es zumindest ein bissl lauter als Natur geht und verzichten auf das Monitoring. Kurz zu unserer Unterkunft abduschen und ab zum Konzert. In Dharamsala haben wir tibetische Fußballdressen gekauft und die sollen heute unsere Banduniform sein. Wir sehen aus wie der FC Barcelona – nur mit gelbem „Tibet“-Schriftzug. Als wir ankommen, können wir es kaum fassen, die Halle ist knackevoll und alle sitzen diszipliniert auf dem Boden. Es müssen an die tausend Kinder sein. Während wir unsere Gitarren auspacken und den Audiorecorder aufstellen, haben die anderen Luftballons in der Menge verteilt und das ist eine riesen Hetz. Überall gelbe „Josef“-Luftballons, die durch die Luft geschossen werden. Eine Ansprache von einem Mitarbeiter und auf einmal schreien alle aus voller Brust „FreeMenSingers!“ Wir sind überwältigt. Der Vorhang geht auf und Dagulda, unser Clown, macht seine „Unsichtbarer Hund“-Nummer, den Kindern taugts. Er holt uns auf die Bühne und nach unserem einstimmigen „Tashi delek!“ ungebremster Jubel. Uns rinnt es kalt über den Rücken runter. Wir bringen als zweite Nummer wieder „One Minute“ und es gibt wieder Szenenapplaus beim Refrain. Dass dieser Song so gut hier ankommt, habe ich nicht erwartet. Wir geben alles an Show und Grimassen, die Kinder haben vielleicht noch nie in ihrem Leben ein Popkonzert erlebt und strahlen uns an. Am Schluss lass ich sie noch aufspringen und die Party ist perfekt. Wir fahren mit unserem Funkmobil heim und werden wieder köstlich bewirtet. Günter spendiert einen Grünen Veltliner vom Knoll und wir spielen hinterher ein paar Beatles Songs, denn die werden sogar hier in der Schule unterrichtet. Müde hauen wir uns auf die beinharten Matratzen.
9.6.2011
Der 8. Juni beginnt mit Trommeln und Posaunen der anderen Art. Wir werden etwas unsanft von den Mönchen aus dem Kloster gegenüber, die ihre „Morgenmesse“ abhalten, um etwa 6 aus dem Schlaf geholt. Was soll´s – wir sind ja nicht zum Schlafen hier. Zum Frühstück gibt´s Toast, Omelett und Tee. Leider keine Mangos wie bei unserem letzten Quartier, die meiner Meinung nach um Klassen besser schmecken als die, die man beim Billa kriegt.
Wir werden heute zwei Klöster sehen. Wieder sind wir erstaunt, wie der Chauffeur unseres „Schulbusses“ millimetergenau den Weg durch die Gassen kurvt. Angeblich wären es nur drei km zum ersten Kloster, doch die Straße ist gesperrt und so wird´s wieder einmal „eine Stunde“ – unser running Gag, denn auch als wir 17 Stunden nach unserer Ankunft in Indien unterwegs waren, hieß es immer, es dauert nur mehr eine Stunde. Wir nehmen es gelassen und es wird schon munter gescherzt. Der Weg führt uns rauf durch Kiefernwälder und als wir uns dem Kloster nähern, ist dieser mit tausenden Gebetsfahnen, die kreuz und quer gespannt sind, geschmückt. Zauberhaft! Im Kloster selbst können wir unseren Augen nicht trauen, als sich die schweren Tempeltüren öffnen. Eine unbeschreibliche Schönheit und Ruhe. Wir wagen nur noch zu flüstern und sind überwältigt. Von dort geht´s wieder runter zum nächsten Kloster, das noch größer ist. In jedem leben etwa 600 Mönche. Auch hier werden uns die Tempeltüren geöffnet und man blickt ehrfürchtig auf die 10 Meter hohe vergoldete Buddhastatue.Diese wurden von superreichen chinesischen Geschäftsmännern zweckgebunden finanziert. Neben dem Kloster befindet sich das Kinderdorf, wo wir heute spielen. Es hat eine noch größere Halle und uns wird klar, dass es auch heute mit dem vorhandenen technischen Equipment nicht einfach wird. Ein kurzer Soundcheck, aber wir sind schon froh, dass es irgendwie funktioniert. Schon werden die Kinder im Gänsemarsch eingelassen, und die setzen sich von vorne nach hinten Reihe für Reihe hin. Sie sind viel kleiner als gestern – etwa von 4 bis10. Die Halle ist halbvoll – um die 500 Kinder, die größeren, so wird uns erklärt, haben Ferien, denn dieses Dorf bietet 1500 Kindern ein Heim. Jo und Joy blasen einen Luftballon nach dem anderen auf und die Kinder springen auf, als sie sie von der Galerie fallen lassen. Die Show beginnt und alles sitzt wieder artig. Auch dieses Konzert wird immer mit Zwischenapplaus geschmückt. Dagulda bringt seinen „Flohzirkus“ – die Kinder johlen. Wir legen uns ins Zeug. Werners Kabel ist hin und der Sound ist mager. Den Kindern taugt´s trotzdem, ist es ja das erste Konzert ihres Lebens. Zuguterletzt werfen wir zwei Kilo Zuckerl in die Menge und es geht voll ab. Alle sind happy und es gibt noch Kattas (die Seidenschals) und Tee beim Direktor. Wir machen´s kurz, haben wir ja noch ein Abendessen bei Rigo Tulku, dem reinkarnierten Lama, ein Freund von Günter. Kloster Nummer 3 – es ist bereits finster, als wir eintreffen und das Abendessen wartet schon. Rigo empfängt uns persönlich. Wir speisen mit einem der höchsten Würdenträger, man spürt seine Aura. Wir können es kaum glauben, als er uns bittet, ein Konzert für die Mönche zu spielen. So was gab´s noch nie!
Sofort nach dem Essen geht´s los, die Mönche warten bereits. Eilig bringt Peter seine Kamera in Position und wir beginnen mit „Here Comes The Sun“. Allen zieht es einen Grinser auf, unglaublich! Diese Mönche haben auch noch nie ein Live-Konzert erlebt und wir spielen wie in Trance. Seine Obrigkeit lacht und strahlt. Ein unfassbares Glücksgefühl! Wow.
Wir haben gerade unser heutiges Konzert in Gopalbur über die Bühne gebracht und wieder war´s phänomenal mit den Kindern! Ich werde mich nie wieder bei uns über einen schlechten Monitorsound beschweren. Man kann nicht alles haben, immerhin war es verstärkt. Wir sitzen in unserem Tourbus und gönnen uns ein kühles Kingfisher Lager Bier. Es dauert in etwa zwei kurvige holprige Stunden bis zu unserem Quartier und heute geh ich einmal früher schlafen
Wir müssen nämlich morgen schon um 9 nach Dharamsala aufbrechen für unser letztes Konzert. Übermorgen fahren wir um 6 Uhr morgens nach Delhi und fliegen jetzt doch schon am 12.6. heim.
10.6.2011
Wir haben jetzt unser letztes Konzert mit anschließender Nachbeprechung gehabt. Bin schon ganz müde und muss in 5 Stunden raus in den Bus. Gute Nacht!
11.6.2011
Sitz jetzt schon 12 tunden im Bus und werde so durchgebeutelt, dass ich jeden Buchstaben zweimal schreiben muss. Habe eine neue Freundin, es ist eine Stubenfliege, die sich in mich verknallt hat. Wenn wir ankommen, gibt´s Hoffnung auf was Gscheites zum Essen. Wir haben eine Einladung beim österreichischen Handelsdelegierten. Alle träumen von Schnitzel und Steak.
Morgen in der Früh sind wir wieder in Wien.